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Eine Veranstaltung der
Sächsischen Stiftung für Medienausbildung SSM

 

Stifter:


 

Mediensystem: Bulgarien

Öffentlich-rechtliche Sender

Fernsehen

  • BNT
    Das bulgarische nationale Fernsehen (gegründet 1959) wird vom Staat finanziert. Programme: Kanal 1 und TV Bulgaria (für Europa und Asien), dieses Programm sendet für alle Bulgaren im Ausland. BNT hat zudem vier Regionalzentren in den Städten Varna, Plovdiv, Russe und Blagoevgrad. Mit der Digitalisierung muss BNT im Jahr 2009 beginnen und diese bis Ende 2012 endgültig abgeschlossen haben.

Radio

  • BNR
    Das BNR hat drei nationale Programme: Horizont ist ein 24-stündiges Informations- und Musikprogramm, Hristo Botev ist zuständig für Kultur und Bildung und Radio Bulgaria strahlt Sendungen in zehn Sprachen für 100 Länder aus: Albanisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Türkisch.

Radio Focus, Radiogruppe BTV, lancierte die Idee für eine Zusammenführung von Staatsfernsehen und -radio. Nach der Wahl des Intendanten wurde dies für keine gute Idee befunden. Ideen zu Gebührenfinanzierungen finden keine Unterstützung, obwohl es diese bereits früher gab.

Agentur

  • Bulgarische Telegrafenagentur (BTA, 1898 gegründet)

Private Sender

Fernsehen

  • BTV
    bTV ist das erste private Fernsehen mit nationaler Verbreitung in Bulgarien.

    Der Sender begann im Jahr 2000 zu senden und hat momentan (2011) mit über 38 Prozent die höchsten Einschaltquoten auf dem Markt. 2000-2010 war bTV zu 100 Prozent im Besitz der Rupert Murdoch’s News Corporation. Anfang Juli 2008 gab News Corporation bekannt, seine Fernsehsender in Osteuropa verkaufen zu wollen. Einige Monate später hat die australische News Corporation über den Verkauf von 55 Prozent von BTV verhandelt. Ein Geschäft mir der amerikanischen Mediengesellschaft Central European Media Enterprises (CME) von Ronald Lauder wurde im Jahr 2010 verkündet. CME war im Juni 2008 bereits im Besitz von 80 Prozent der Ring TV und PRO.BG.

    bTV ist das leitende Programm der bTV Media Group in Bulgarien. Nach dem Verkauf wurde PRO.BG in bTV Action umbenannt und das Programm wurde geändert.

    bTV Media Group ist ein Teil von Central European Media Enterprises (CME), die einen gewissen Platz in Mittel- und Osteuropa haben. CME ist von Ronald Lauder im Jahr 1994 gegründet worden. Er ist der Besitzer von TV Nova, Nova Sport, Nova Cinema und MTV in Tschechien, PRO TV, PRO TV International, ACASA, PRO CINEMA, Sport.ro und MTV Romania in Rumänien, TV Markiza, Nova Sport, Television Doma und MTV in der Slovakei, POP TV, Kanal A und TV Pika in Slowenien, NOVA TV in Kroatien, bTV, bTV Action, bTV Comedy, bTV Cinema, RING.BG, bTV Radio Group und bTV Web in Bulgarien, sowie MediaPro Entertainment.

  • Nova TV
    Nova TV ist das zweite private landesweite Fernsehen in Bulgarien, gegründet im Jahr 1994. BNT, BTV und Nova TV sind zusammen die größten Fernsehstationen in Bulgarien.

    Seit dem 30. Juli 2008 ist die skandinawische Mediengruppe Modern Times Group (MTG) offizieller Besitzer der bulgarischen NOVA TV. MTG hat den Sender von der griechischen Gesellschaft Antena Group für 620 Millionen Euro erworben. Berater bei dem Geschäft war der Investmentfond JP Morgan. Erst im August 2009 bekam MTG auch grünes Licht vom staatlichen Wettbewerbsausschuss. Seitdem ist auch der neue Besitz in einer Gesellschaft, die den Namen der größten Media Group trägt - Nova TV (bis dahin waren es zwei Gesellschaften - Nova TV und Diema). Zum Zeitpunkt der Bekanntmachung des Geschäfts in Bulgarien (2008), besaß MTG bereits die Kabelkanäle, die der Gruppe Diema gehörten - Diema, Diema Family, Diema 2 und den Musiksender MM, sowie 80 Prozent des Lifestylemagazins mit der höchsten Auflage in Bulgarien EVA. Diese bildeten 50 Prozent der Balkan Media Group Limited. Die restlichen 50 Prozent gehörten der britischen Gesellschaft Apace Media, die auch Mehrheitsaktionär bei Diema Vision und MM Television war. Im Februar 2007 unterschrieben Apace und MTG einen Partnerschaftsvertrag für die Balkanregion und bildeten die Balkan Media Group Limited. Nach Informationen der Börse in Stockholm, wo mit Aktien der MTG gehandelt wird, beträgt der Preis des Geschäfts 8,5 Millionen Euro.

  • PRO.BG
    Am 29. Juli 2008 meldete Central European Media Enterprises Ltd., dass die Gesellschaft 80 Prozent vom Besitz der TV2 und Ring TV von Top Tone Media Holdings Limited gekauft hat. Der angegebene Preis ist 172 Millionen US Dollar. Seit Juni 2009 heißen Ring TV/Ring.tv und TV2 PRO.BG.

  • BBT (seit 2003)
    Seit Februar 2009 ist BBT im Besitz der irischen Communication Group und der Gründer des Senders, der bulgarische Waffenhändler Petar Mandjukov, hat 20 Prozent seiner Aktien behalten. Medienberichten zufolge, betrug der Preis für das Geschäft acht Millionen Euro. Anfang August 2009 erlaubte die staatliche Wettbewerbskommission, dass BBT in die Mediengruppe von Irena Krusteva aufgenommen wird.

    *Irena Krusteva - Besitzerin der Neuen Bulgarischen Media Group Holding. In der Zeit von 2002 bis 2005 war Irena Krusteva Vorsitzende der Staatlichen Lotterie. Der Sohn von Krusteva, Delyan Peevski, war in der Regierung von Sergeij Stanischev (2005-2009) stellvertretender Minister für Notfallsituationen. Peevski wurde aus dem Kontingent der Partei Bewegung für Rechte und Freiheiten berufen (DPS). Er wurde bekannt dafür, dass er von Premierminister Stanischev im Mai 2007 wegen Anschuldigungen über Machtmissbrauch von seinem Amt entlassen wurde. Im November 2007 wurde Peevski jedoch vom Premierminister wieder in sein altes Amt berufen. Seit Juli 2009 ist der 29jährige Peevski Abgeordneter in der 41. Volksversammlung in Sofia. Krasteva und Sohn sind Besitzer der Tageszeitungen Monitor, Telegraf, Express, der Wochenzeitung Politika und der lokalen Tageszeitung Borba im Gebiet Veliko Tarnovo, und es wird auch erwartet, dass sie Maritza in Plovdiv kaufen werden. Die meisten dieser Zeitungen wurden von Krasteva im Sommer 2007 gekauft, die Anschaffungen beliefen sich insgesamt auf über zehn Millionen Leva. Es wurde eine Untersuchung über die Herkunft des Kapitals von Krusteva gemacht, die Ergebnisse blieben aber für die Öffentlichkeit verborgen.

  • MSAT (seit 1996)
  • Im September 2011 wurde ein neues Fernsehprogramm in Bulgarien etabliert - Bulgaria on Air, welches MSAT ersetzt hat.

  • Europa TV (das einzige bulgarische Nachrichtenfernsehen sendet seit 2001 Nachrichten 24 Stunden rund um die Uhr)

    Die österreichische Stevia Communications hat 50 Prozent der Anteile an dem bulgarischen Fernsehsender TV Evropa übernommen. Dies gab der bisherige Evropa-Chef Emil Stojanov (Bruder des Ex-Präsidenten Petar Stojanov) bekannt, der am 7. Juni als EU-Abgeordneter aus der GERB-Liste gewählt wurde. Der Vertrag wurde am 16. Juni 2009 in Wien unterzeichnet. Stevia Communications wird von Karl von Habsburg-Lothringen vertreten, der auch Vorstandsvorsitzender des Senders wird. Stojanov bleibt als Aktionär beim Sender. Das in Anif bei Salzburg ansässige Unternehmen soll den Berichten zufolge zu einer Mediengruppe namens Altelys gehören, als deren Eigentümer der österreichische Politiker Karl Habsburg-Lothringen genannt wird.

  • TV7 (seit 2005)
    Mitte 2008 wurde der Sender an Irena Krusteva verkauft.

  • Diema + ( seit 1999)
    siehe NOVA TV

Special-Interest-TV

  • Ring TV (der einzige Sportkanal in Bulgarien, gegründet 1998)
  • Viara TV (spezialisiert auf religiöse Themen)
  • Zdrave TV (spezialisiert auf Gesundheitsthemen)

Radio

Zeitungen

Der Zeitungsmarkt in Bulgarien ist überflutet. Die Zahl der Tageszeitungen beträgt 70, deren Jahresauflage ist mit 12,2 Prozent gestiegen (nach Angaben des Nationalen Statistischen Instituts). Im Jahr 2008 wurden 438 Zeitungen gedruckt, mit einer Auflage von 370.789, das sind 48,6 Zeitungen pro Kopf. Es gibt 601 gedruckte Magazine, mit einer Jahresauflage von 13.118.000.

Die WAZ Gruppe in Bulgarien

In den beiden WAZ Tageszeitungen Trud und 24 Stunden konzentrieren sich 35 Prozent der Werbung für den gesamten bulgarischen Zeitungsmarkt.

Trud ist die einflussreichste politische Tageszeitung mit ca. 70.000 bis 90.000 Exemplaren (Wochendurchschnitt). Die Zeitung ist ein Mix aus Boulevard- und seriöser Zeitung (gleichzeitig werden in der Zeitung Bilder von halbnackten Frauen abgedruckt und sehr konservative Meinungen vertreten ). Die Zeitung demonstriert eine scheinbar politische Unabhängigkeit, beteiligt sich aber an politischen Kampagnen, abhängig von den Einstellungen des Chefredakteurs Toscho Toschev. Üblich für Trud sind Propaganda-Veröffentlichungen, die gegen bestimmte Politiker gerichtet sind. Die Zeitung betreibt Lobbyarbeit für bestimmte Geschäftsinteressen.
Die Nachmittagszeitung Noschten Trud wurde im Frühjahr 2009 eingestellt. Die Zeitung Wochen Trud hat eine Auflage von ca. 70.000 Exemplaren und liegt damit weit hinter der Auflage der Wochenzeitung Weekend mit 320.000 Exemplaren, die zwar als Boulevardblatt gilt, aber ähnliche Inhalte wie Trud anbietet. 24 Stunden hat eine tägliche Auflage von ca. 60.000 bis 70.000 Exemplaren (Wochendurchschnitt). Die Zeitung schlängelt sich politisch durch und ist in Medienkreisen dafür bekannt, dass viele verborgene PR-Veröffentlichungen abdruckt werden, die eine größere Zahl von Politikern und Geschäftsleuten bedienen. Die Chefredakteurin Venelina Gotscheva passt sich der jeweiligen politischen Situation an und demonstriert gern ihre guten Beziehungen zu Politikern und Geschäftsleuten.

Die WAZ-Gruppe war in Bulgarien seit 1997 aktiv. Nach 13 Jahren trennte sich die WAZ-Gruppe von ihren Medien-Beteiligungen in Bulgarien. „Aufgrund eines attraktiven Preisangebots“ habe man sich entschlossen, die Anteile an die BG Printmedia Ltd. zu verkaufen. Das Unternehmen gehöre mehrheitlich „der seriösen Käufergruppe BG Printinvest GmbH“, die ihren Sitz in Wien hat. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. BG Printmedia Ltd. wurde eigens für die Übernahme der WAZ-Beteiligungen konstituiert. Der Hauptanteilseigner BG Printinvest GmbH gehört Karl Habsburg, Daniel Rutz und Christo Grozev. Nach dem Verkauft wurden die Chefredakteurs von Trud und 24 Stunden ausgewechselt.

Medien in der Gruppe von Irena Krusteva

Zeitungen

  • Telegraf - die auflagengrößte und billigste Tageszeitung in Bulgarien, 100.000 bis 110.000 Exemplare
  • Monitor - Tageszeitung, schreibt oft auf politische Bestellung, ca. 6.000 Exemplare
  • Politika - Wochenzeitung, ca. 5.000 Exemplare

(Mitte 2007 erwarb Krusteva die drei Zeitungen gleichzeitig. Der Verkäufer Petjo Blasskov ist der Gründer der Blätter, er ist einer der einflussreichsten Verleger des bulgarischen Übergangs. 1997 verkaufte Blasskov, die von ihm gegründeten Zeitungen 24 Stunden und 168 Stunden an die WAZ.)

  • Express - Tageszeitung für Nachrichten aus der kriminellen Welt und weltliche Chronik; die Zeitung schreibt nicht über Politik und Wirtschaft.
  • Borba (Veliko Turnovo) - eine der ältesten und stark autoritären Regionalzeitungen in Bulgarien, ca. 12.000 Exemplare
  • Meridian match - die zweitauflagengrößte Sporttageszeitung in Bulgarien, ca. 20.000 Exemplare
  • Weekend - die auflagenstärkste Wochenzeitung in Bulgarien, über 210.000 Exemplare; die Zeitung wurde 2002 gegründet, als reines Boulevardblatt; 2009 verwandelte sich Weekend in die glaubwürdigste Zeitung für das Massenpublikum in Bulgarien; Anfang Sommer 2009 wurden 50 Prozent der Anteile der Gesellschaft an die Neue bulgarische Medien Gruppe Holding von Irena Krusteva verkauft; aber über den Kauf der restlichen 50 Prozent wird noch mit dem zweiten Besitzer verhandelt

Fernsehsender
  • BBT
  • TV7

Tageszeitungen

Wochenzeitungen

  • 168 Tschassa (WAZ Gruppe) Boulevardzeitung mit politischem Tratsch, Auflage ca. 60.000
  • Kapital (Schwerpunkte Wirtschaft und Politik)
  • Banker (seit 1994, Wirtschaftszeitung)
  • Kultura - www.online.bg/kultura/ Zeitung für Kunst und Literatur
  • Weekend

Online-News

Mediensystem

Gesetzliche Rahmenbedingungen

  • Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit
  • öffentlich-rechtliche Sender sollen informieren, ausbilden und unterhalten
  • mindestens zehn Prozent des jährlichen Budget des BNF müssen für die Entwicklung des BG Kinos und der BG Filme ausgegeben werden

Seit September 2009 wird verstärkt über die Schaffung von einem einheitlichen Register der Medieneigentümer gesprochen. Dieser Vorschlag wird auch von dem neuen Regierungschef unterstützt. Die Öffentlichkeit erhofft sich dadurch Klarheit über den politischen und wirtschaftlichen Druck, der auf die Medien ausgeübt wird.

Werberichtlinien

  • öffentlich-rechtliche Sender (BNF) dürfen 15 Minuten pro Tag Werbung senden
  • private Sender dürfen bis zu zwölf Minuten pro Stunde werben
  • Werbung für Zigaretten ist verboten
  • Kontrolle: Rat für elektronische Medien (REM)

Finanzierung der Sender

  • öffentlich-rechtliche Sender: gebührenfinanziert aus Fond Fernsehen und Radio plus Staatssubventionen sowie Einnahmen aus der Werbung
  • private Sender: Finanzierung aus Werbeeinnahmen

Mediennutzung

  • Elektronische Medien: BNF und BNR, starker Einfluss im Fernseh- und Hörfunkbereich
  • Printmedien: Marktführer Trud und 24 Tschassa (WAZ-Mediengruppe)
  • Nutzung als Informationsquelle: 73 Prozent Fernsehen, 43 Prozent Hörfunk, 40 Prozent Tageszeitungen

Politischer Einfluss

  • besonders stark bei staatlich subventionierten Medien
  • Großteil der gesamten Berichterstattung besteht aus kritischen Meldungen
  • politische Färbung der privaten Medien je nach Einstellung der Finanzgruppe

Rundfunksystem

Ende 2006 ist die Fernsehlandschaft in Bulgarien, ein Land in Südosteuropa mit knapp acht Millionen Einwohnern, relativ bunt und vielfältig. In Bulgarien existiert und entwickelt sich auch ein duales Rundfunksystem. Zu den öffentlich-rechtlichen Sendern gehören das Bulgarische Nationalfernsehen (BNF) und der bulgarische Nationalhörfunk (BNR). Die öffentlich-rechtlichen Sender (BNF und BNR) müssen einen Gesellschaftsauftrag erfüllen. Ihr Hauptziel besteht darin, die Bevölkerung zu informieren, zu bilden und zu unterhalten. Die privaten Medien tun das Gleiche, aber sie orientieren sich am wirtschaftlichen Gewinn.

Neben den universalen Sendern strahlen auch verschiedene Spartenkanäle ihr Programm aus: der Musiksender MM (analog zu MTV), der Sportkanal RTV, Diema + - ein Kanal für Hollywoodfilme, Sport und Pop-Volksmusik, der Modekanal Fashion Visages usw. Seit dem 7. Januar 2003 überträgt sogar das Militär sein eigenes Programm. Im Oktober 2000 erhielt Darik Radio die Lizenz für das erste nationale Privatradio.

Im allgemeinen ist das Programmangebot der bulgarischen Fernsehsender bunt und vielfältig. Obwohl große Unterschiede zwischen den nationalen und den lokalen Sendern, zwischen den öffentlichen und privaten Anbietern existieren, konnten auch gemeinsame Trends festgestellt werden: Bei allen privaten Sendern dominieren massenattraktive Angebote: Fiction (Serien, inklusive Endlos-Seifenopern aus Lateinamerika und billige Hollywood-Produktionen), Unterhaltung (Shows, Quizsendungen und Musiksendungen) und Sport. Dabei berichten die Privaten nur selten über Kultur und Bildung. Bei den privaten Anstalten ist das Nachrichtenangebot, inklusive der politischen Berichterstattung, immer noch relativ umfangreich, obwohl das Agenda Setting der Nachrichten stark vom Sensationsjournalismus und human interest-Stories geprägt ist. Bei zahlreichen Kabelfernsehsendern beobachtet man das Phänomen der Angebotsmischung aus westlicher Massenkultur und einer aggressiv modernisierten, lokalen Volksmusik (Tschalga). Außerdem zeigen alle Fernsehsender eine starke Tendenz zur Personalisierung und Skandalisierung bei der Auswahl und Präsentation von politischen Ereignissen. Zu bemerken ist, dass diese Trends ihrerseits immer größeren Einfluss auf die politische Kommunikation im Land ausüben und Voraussetzung zur Anpassung der politischen Akteure an die Regeln des Mediensystems sind.

BTV hat sich in kurzer Zeit als einer der führenden TV-Sender etabliert. Der Sender profilierte sich gegenüber dem öffentlichen BNT primär über massenattraktive Formate. Die Talkshow Schouto na Slawi (Die Show von Slawi) hat sich als die populärste Sendung aller bulgarischen Fernsehsender erwiesen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Popballett, Band-Veranstaltungen, Gesangseinlagen, politischen Parodien und Interviews mit prominenten Personen des Landes und internationalen Gästen. Trotz ihres Unterhaltungscharakters übt die Show großen Einfluss auf den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung aus: die Teilnahme fast aller Vorsitzender der wichtigsten Parteien am Vorabend der Parlamentswahlen im Juni 2001 kann als Beweis dafür gelten. Seit September 2006 läuft auch im BTV die erste Staffel von Survivor in Bulgarien.

Die Sendung mit der höchsten Einschaltquote auf Nova TV ist eine bulgarische Version der Reality-Sendung Big Brother, Chasat na Milen Tsvetkov (Milen Tsvetkovs Stunde) - eine Talk-Show, Hallo, Bulgarien - eine tägliche Morgensendung von 6:55 bis 9:00 Uhr, Stani bogat! - eine Quizsendung mit Lizenzrechten der weltweit populären Sendung Wer wird Millionär?, u.a. In den letzten Jahren hatte BNF den höchsten Prozentsatz des Vertrauens aller Institutionen in Bulgarien. Mai 2006 startete BNF die BBC Formatkampagne The Great Britons. In Bulgarien ist die Kampagne bekannt unter dem Namen Velikite Bulgari (www.velikite.bg). Die gleiche Kampagne führte das ZDF in Deutschland im Jahre 2003 auch durch, bekannt unter dem Namen Unsere Besten.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Reguläre gesetzliche Rahmenordnungen für das Fernsehen in Bulgarien wurden erst 1996 eingeführt, als bei den Sozialisten unter Führung von Zhan Videnov das erste Rundfunkgesetz in Kraft trat. Das Gesetz wurde unter dem Druck der Europäischen Union verabschiedet. Darin wurde u.a. festgelegt, dass ein Nationaler Rat für das öffentliche (zu jener Zeit immer rein staatliche) Radio und Fernsehen gegründet werden sollte. Sieben seiner Mitglieder sollten vom Parlament, zwei vom Ministerpräsidenten und weitere zwei vom Staatspräsidenten vorgeschlagen werden, um für ein Mandat von sechs Jahren gewählt zu werden.

Zur Zeit sind für alle Medien in Bulgarien, gemäß des Gesetzes für Hörfunk und Fernsehen, die Prinzipien der Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit gültig. Es gibt keine Zensur egal in welcher Form. Die Programme der öffentlich-rechtlichen Sender dürfen solche Sendungen aufnehmen, die informieren, ausbilden und unterhalten. Sie müssen auch einen Zugang aller Zuschauer zum nationalen und europäischen, kulturellen Erbe sichern. Private Sender dürfen alles ausstrahlen, was dem Gesetz nicht widerspricht.

Die staatlichen Subventionen werden für National- und Regionalprogramme verwendet und vom Ministerrat gebilligt, nachdem sie aufgrund eines Einstundensatzes berechnet werden. Gemäß Art. 71 Abs. 2 des Rundfunkgesetzes bestimmt die BNF mindestens zehn Prozent der Subventionen des Staates und des Fonds Radio und Fernsehen für bulgarische Fernsehproduktion. Mindestens zehn Prozent der jährlichen Programmzeit, das schließt Nachrichten, Sportsendungen, Radio- und TV-Spiele sowie die Werbezeit aus, müssen Berichte von fremden Autoren über Europa beinhalten. Bei BNF gibt es Nachrichten in türkischer Sprache für die türkische Minderheit in Bulgarien. Sie sind jeden Tag um 16:10 Uhr zu sehen und dauern 15 Minuten.

Medienpolitik

In Bulgarien existieren Begrenzungen für die Werbung in den öffentlich-rechtlichen Medien. Bei BNF wird bis 15 Minuten pro Tag und vier Minuten pro Stunde geworben, bei BNR bis sechs Minuten pro Stunde. Die privaten Anbieter können nicht mehr als zwölf Minuten pro Stunde Werbung ausstrahlen. Werbung für Zigaretten ist verboten. Bei Sendungen, die weniger als 45 Minuten dauern, ist eine Werbung nach den ersten 20 Minuten möglich. Die Kontrolle über diese und andere Beschränkungen verwirklicht der Rat für elektronische Medien (REM). Er existiert seit dem 26. November 2001 und ersetzt den Nationalen Rat für Radio und Fernsehen, der die ehemalige Institution für Medien war. Es ist die wichtigste Institution für alle Medien in Bulgarien. Der Rat ist ein unabhängiges Organ, der eine Kontrolle über Medienprodukte ausübt. Diese Kontrolle umfasst die Länge der ausgestrahlten Werbung, Aufsicht über die Pluralität und die Unabhängigkeit sowie das Einhalten der Moral- und Normwerte. Der Rat stellt Lizenzen für Radio- und Fernsehtätigkeit aus. Seine Mitglieder werden vom Parlament (fünf Personen) gewählt und vom Staatspräsidenten (vier Personen) ernannt. Der Rat wählt und entlässt die Generaldirektoren von BNF und BNR. Hauptaufgaben des Medienrats sind auch die Erteilung der Lizenzen der Privaten Sender, Monitoring der Sendungen und Aufsicht über Pluralität und Unabhängigkeit. Im Parlament der Bulgarischen Republik arbeitet eine Ständige Kommission für Medien. Die Kommission erörtert die Gesetze, die im Parlament behandelt werden und sich auf den Medienbereich beziehen.

Medienökonomie

Öffentlich-rechtliche Sender finanzieren sich aus dem Staatsbudget und der Werbung; die Gebühren sind immer noch eine problematische Frage. Gebühren zahlt in Bulgarien im Moment de facto niemand. Bei den privaten Sendern ist es anders. Sie finanzieren sich ausschließlich aus Werbeeinnahmen. BNF und BNR werden hauptsächlich durch den außerplanmäßigen Fond für Radio und Fernsehen (FRF), durch Subventionen aus dem Staatsetat und durch eigene Einnahmen aus Werbung und Sponsoring, finanziert. Bis heute funktioniert der Fond aber nicht. Die Einnahmen des FRF sollten durch Monatsgebühren für Hörfunk und Fernsehen, sowie einen nennenswerten prozentualen Anteil aus den ursprünglichen Lizenzgebühren und den jährlichen Wartungsgebühren der privaten Sender erzielt werden. Die Gebühr sollte zusammen mit den Kosten für Stromnutzung gezahlt werden. Doch dieses Gesetz trat nie in Kraft.

"Gemäß Art. 70 Abs. 3 Ziff. 1-7 werden das Bulgarische Nationale Fernsehen und das Bulgarische Nationale Radio hauptsächlich durch den außerplanmäßigen Fond für "Radio und Fernsehen finanziert" (FRF) "

Stand: September 2011






 
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